pfadfinderische Erziehung

Die pfadfinderische Methode in der DPSG ist durch folgende Kennzeichen ein System fortschreitender Selbsterziehung junger Menschen:

• Aufeinander aufbauende und attraktive, an der Lebenswelt der Mitglieder orientierte Programme
• Gesetz der Pfadfinderinnen und Pfadfinder und das Versprechen
• Prinzip „Learning by Doing“
• Arbeit im Wechselspiel von Klein- und Großgruppen, die das fortschreitende Entdecken und die Übernahme von Verantwortung sowie die Erziehung zur Selbstständigkeit fördert

Unter der Leitung Erwachsener unterstützen die Aktivitäten und Programme der DPSG die persönliche Entwicklung ihrer Mitglieder.

Aufeinander aufbauende und attraktive Programme

Pfadfinderisches Leben in vier Alterstufen

Die Mitglieder der DPSG lernen pfadfinderisches Leben in der Wölflings-, Jungpfadfinder-, Pfadfinder- und Roverstufe kennen. Die Gruppen der jeweiligen Stufe ermöglichen altersgerecht die grundlegenden Erlebnisse und Erfahrungen des Pfadfindertums. In diesen Gruppen wird der Wunsch nach Abenteuer erfüllt, das Bedürfnis nach verlässlichem Rückhalt gestillt und Orientierung auf dem Lebensweg gegeben. In den Gruppen stehen sich die Mitglieder bei der ganzheitlichen Entwicklung ihrer Persönlichkeit zur Seite. Das Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen des Verbandes schafft weitere Erfahrungsfelder. Im Entdecken, Abenteuer Leben, Wagnis und Unterwegssein ermutigt die DPSG ihre Mitglieder, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Stufenwechsel

Entsprechend ihrem persönlichen Entwicklungsstand und Alter wechseln die Mitglieder der DPSG die Altersstufen. Der bewusst vollzogene Stufenwechsel ermöglicht den Mitgliedern des Verbandes ein Einnehmen einer neuen Rolle und das Nutzen von Möglichkeiten einer neuen Gruppe. Die Gruppen der DPSG erfahren somit Erneuerung, Veränderung und Entwicklung. Der Stufenwechsel wird zwischen den beteiligten Gruppen vereinbart und gefeiert. Die Leiterinnen und Leiter verbleiben in ihrer Stufe.

Erziehung in zunehmender Selbstbestimmung

Der Weg über die vier Altersstufen gibt jedem Mitglied die Chance, sich in und mit der Gruppe zu entwickeln. Im Wechselspiel mit der Dynamik der Gruppe, ihren Plänen, Aktionen, Erlebnissen und deren Reflexion kommt die Persönlichkeit jedes einzelnen Mitglieds zunehmend mehr zur Entfaltung. Pfadfinderische Erziehung ermöglicht, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend eigenständig entscheiden und handeln. Durch Erleben und Ausprobieren können Kenntnisse, Fertigkeiten und Lebenseinstellungen weiterentwickelt werden. Entdecken, Erproben und Handeln fördern den Prozess, sich mit der Welt aufmerksam und kritisch auseinander zu setzen. Reflexionen unterstützen die Mitglieder in diesem Lernen.

Fortschreitende und attraktive Programme

Pfadfinderische Erziehung wird wirksam im zusammenhängenden Entwicklungsprozess der Altersstufen. Dieser Prozess ermöglicht das Miteinander in einer Gruppe von Gleichaltrigen und eröffnet einen Zuwachs an Selbstständigkeit. Er bietet die Chance, die gemachten Erfahrungen fortschreitend zu vertiefen und sich neue Entwicklungsziele zu setzen. Die Unternehmungen und Programme der Gruppe tragen den Interessen, der Lebenswirklichkeit und dem Entwicklungsstand der Mitglieder der Altersstufen Rechnung. Die Programme der DPSG tragen zur ganzheitlichen Entwicklung junger Menschen bei. Das Leben in pfadfinderischen Gruppen ermöglicht den Mitgliedern Freude und Spaß, hinterlässt bei ihnen prägende Eindrücke und regt sie immer wieder zu eigenem Tun an.

Pfadfinderische Lebens- und Arbeitsweisen

Pfadfinderische Lebens- und Arbeitsweisen fördern die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit einer Gruppe. Durch das Zusammenspiel von Großgruppe, Kleingruppe, gemeinsamer Entscheidungsfindung, Erkundung und zielgerichtetem Handeln erfahren die Mitglieder des Verbandes, altersgemäß ausgeprägt, wie sich pfadfinderische Erziehung und politische Betätigung konkret verknüpfen lassen. Pfadfinderische Gruppen entwickeln eine besondere Kultur, einen unverwechselbaren Stil. Ihre Ideen und Absichten werden sichtbar in Zeichen, Formen und Regeln. So zu leben bedeutet einer pfadfinderischen Gruppe viel. Es heißt: Begegnung zu wagen, internationalen Austausch zu suchen, Solidarität zu üben und Freundschaften zu schließen.

Gesetz und Versprechen

Das Gesetz der Pfadfinderinnen und Pfadfinder und das Versprechen sind Methoden, um die Haltung von Mitgliedern der DPSG in einer verständlichen Form auszudrücken. Das Versprechen fordert vom einzelnen Mitglied die Bereitschaft zur persönlichen Entwicklung. Auf diese Zusage hin erklärt die Gruppe der jeweiligen Altersstufe bzw. die Leiterrunde ihre Verpflichtung, das neue Gruppenmitglied auf seinem Weg zu begleiten und nach Kräften zu unterstützen. Mit dem selbstgestalteten Versprechen erklärt das Mitglied die Ziele seines pfadfinderischen Lebens gegenüber sich selbst und seiner Gruppe. Damit bejaht das Mitglied seine Zustimmung zu den Zielen seiner Gruppe, des Verbandes sowie der internationalen Pfadfinderbewegung.

„Learning by Doing“

Pfadfinderische Erziehung setzt auf ein Lernen durch Erfahrung, d.h. durch Beobachten, Experimentieren und eigenes Erleben. Die gemachten Erlebnisse werden in der Gruppe reflektiert, bewertet und in größere persönliche, soziale und politische Zusammenhänge eingeordnet. So werden neue Einsichten und Verhaltensweisen ermöglicht.

Projekt

Das Projekt ist die Handlungsform, in der sich Gruppen der DPSG intensiv und planvoll mit einer Sache, einem Thema oder einem Problem auseinander setzen. Das Projekt wird von allen in der Gruppe getragen und lebt davon, dass die Gruppenmitglieder ihre Interessen klären sowie Ziele und Regeln für ihr Handeln vereinbaren. Ein Projekt wird bestimmt von der Entwicklung der Gruppe, ihrer Lebenskultur, von anregenden Ideen, einer bewegenden Animation sowie von engagierten Leitungskräften. Die Gruppen der DPSG nehmen ihr soziales Umfeld, kirchliche und politische Wirklichkeiten bewusst war. Sie nutzen das Projekt und andere Handlungsformen, um sich mit der Welt auseinander zu setzen und sie zu gestalten.

Reflexion

In der Reflexion werden die wesentlichen Situationen in einer Gruppe besprochen, beleuchtet, kritisiert, gewürdigt und ausgewertet. Dabei geht es darum, sich Verhaltensweisen Einzelner, des Beziehungsgeflechtes der Gruppe und des Entwicklungsstandes eines Projekts bewusst zu werden. Erlebnisse und Situationen, die ausgesprochen, gedeutet und bewertet werden, haben die Chance, zur persönlichen Erfahrung zu werden. Reflexionen führen zu einem bewussten und veränderten Handeln Einzelner und der Gruppe. In der Regel werden Reflexionen methodisch von Leitungskräften geleitet.

Groß- und Kleingruppe

Durch das Zusammenspiel von Groß- und Kleingruppe erfahren Kinder und Jugendliche persönlichen Rückhalt und ein intensives Zusammenleben. Es dient der bewussten Sozialisation und der Integration junger Menschen in das gesellschaftliche Leben. Großgruppen ermöglichen die kraftvolle Durchführung größerer Vorhaben. In ihnen kommt die Vielfalt an Interessen und Bedürfnissen ihrer Mitglieder zusammen. In Kleingruppen sind die Beziehungen besonders intensiv. In ihnen wird die Übernahme von Verantwortung und Leitung erleichtert.

Kennzeichnend für Gruppen der DPSG ist:
• Die Beziehungen in ihnen sind auf Dauer angelegt.
• Ihre Mitglieder identifizieren sich mit den selbstgesteckten Zielen der Gruppe.
• Die Gruppenmitglieder kennen sich gut und erkennen sich gegenseitig an.
• Sie lassen Spontaneität und Freiheit ihrer Mitglieder zu.
• Sie setzen sich bewusst Regeln.
• In ihnen können die Gruppenmitglieder Verantwortung und Selbstbestimmung entwickeln.
• Sie ermöglichen persönliche Entwicklung, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme sowie zur Kooperation.
• Sie ermöglichen das Lernen demokratischer Handlungsformen.

Lebensorte und Handlungsformen

Pfadfinderische Gruppen gestalten unterschiedliche Lebensorte und Handlungsformen:
• Das gemeinsam gestaltete Gruppenleben eröffnet Möglichkeiten, sich zu treffen, Pläne zu schmieden und Erlebtes zu besprechen.
• Aktionen in der Öffentlichkeit bringen Kontakte zur näheren Umgebung, verschaffen öffentliche Anerkennung und Einfluss. Die Mitglieder der DPSG werden an den Brennpunkten von Gesellschaft und Kirche aktiv.
• Fahrten, Zeltlager, Hikes und Erkundungen vermitteln neue Eindrücke und geben Gelegenheit, die Welt in ihrer Vielfältigkeit zu entdecken und neuen Spuren zu folgen.
• Die Natur und das Leben in ihr sind ein idealer Rahmen für pfadfinderische Aktivitäten.
• Das Zeltlager mit seinem Leben unter freiem Himmel schärft den Blick für Zusammenhänge in Natur und Umwelt. Es schafft elementare Erfahrungsfelder für das Zusammenleben in der Gruppe sowie für einfaches, unmittelbares und freies Leben.
• Internationale Begegnungen und Partnerschaftsarbeit bieten jungen Menschen die Chance Erfahrungen zu machen, die besonders für ihre Persönlichkeitsentwicklung bereichernd sind. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag für ein friedliches Miteinander.
• Eine ausgeglichene Kombination von Aktivitäten beinhaltet die Hauptelemente Spiel, das Erlernen von nützlichen Fertigkeiten und die Verantwortungsübernahme in der Gruppe.
• Die Gruppen bieten Chancen für die körperliche, soziale und auch für die geistige, spirituelle und emotionale Entwicklung von jungen Menschen.

Grundlegendes Leitungsverständnis

Pfadfinderische Erziehung setzt voraus, dass erwachsene Männer und Frauen im gemischten Team die Leitung einer Gruppe übernehmen. Sie begleiten und stärken die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Gruppe. Leiterinnen und Leiter ermutigen sie, selbst das Programm ihrer Gruppe zu gestalten. Sie achten die Einzigartigkeit Einzelner und fördern sie. Am Programm ihrer Gruppe beteiligt sich die Leitung mit interessanten Vorschlägen und Initiativen. Dabei berücksichtigen sie den Entwicklungsstand der Gruppe. Sie akzeptieren, dass sie im Zusammenleben mit den Kindern, Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen selbst auch Lernende sind. Die Leiterinnen und Leiter entscheiden sich bewusst für eine Altersstufe.

Leiterinnen und Leiter sowie gerade Kuratinnen und Kuraten setzen Impulse für die Glaubensverwirklichung. Eine der wichtigsten Aufgaben von Kuratinnen und Kuraten ist es, alle Leitungskräfte des Verbandes in Fragen des Glaubens zu sensibilisieren und ihnen Mut zu machen, mit jungen Menschen Wege des Glaubens zu gehen.

Leiterinnen und Leiter, die das Engagement in der DPSG als Chance der Entwicklung für sich selbst und andere entdecken, erfahren durch den Verband Rückhalt und Unterstützung in ihrer Tätigkeit. Die Leiterrunde als ihre Gruppe unterstützt sie in dieser Entwicklung.

In der Leiterrunde erfahren Leiterinnen und Leiter Rückhalt und Geborgenheit. Sie ist der erste Ort der Ausbildung. Diese Gruppe von Erwachsenen trifft sich regelmäßig, berät, plant und wertet die Arbeit mit ihren Gruppen und Teams aus. Sie denkt miteinander über das eigene Pfadfindersein nach und setzt sich mit inhaltlichen Fragen auseinander. Sie reflektiert Erlebnisse, ringt um Positionen und entwickelt politische Handlungsformen.

Die Leiterrunde ist für Leiterinnen und Leiter die Gruppe, in der sie eigene Projekte verwirklichen und sich als Person weiterentwickeln. Dort sind sie weiterhin Gruppenmitglied. Die Leiterrunde wird durch den Stammesvorstand geleitet.

Das Versprechen in der Leiterrunde ermöglicht Leiterinnen und Leitern ihren Wunsch, sich in ihrem Stamm und im Verband sowie in Kirche und Gesellschaft zu engagieren, zu bekräftigen.

Die DPSG fördert und fordert ihre erwachsenen Leiterinnen und Leiter. Der Verband erwartet von ihren Leitungskräften die Bereitschaft zur eigenen Aus- und Weiterbildung.

Auf allen Ebenen des Verbandes ermöglichen vielfältige Ausbildungsveranstaltungen, insbesondere die Woodbadge-Ausbildung, die Reflexion der eigenen Leitungstätigkeit und der pfadfinderischen Methode. Sie vermitteln so die Grundlagen für qualifiziertes Arbeiten.

Die Leitungskräfte suchen den Kontakt mit den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten durch persönliche Begegnungen. Dabei vertreten Leiterinnen und Leiter die Interessen der Gruppen, ermöglichen gegenseitiges Verständnis und suchen Unterstützung.

Die Kennzeichen pfadfinderischer Erziehung ermöglichen die Eroberung des eigenen Lebens: etwas wagen und sich engagieren, sich einmischen und handeln, etwas entdecken und Abenteuer bestehen, Beziehungen aufnehmen und Solidarität üben, Erfahrungen machen und sie durch Reflexion in die eigene Entwicklung integrieren, Ziele setzen und sich für diese mit Nachdruck einsetzen.

Aus der Ordnung der DPSG, Seite 22-27